Lieblingspulli färben

Valentino hat in seiner aktuell Herbst/Winter Kollektion einen tollen Pulli. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass der Aranpulli nachträglich gefärbt wurde.
Das habe ich doch schon vor Jahrzehnten gemacht! Mich hat es fast umgehauen, als ich die Fotos gesehen habe. Ich fand und finde die naturfarbenen Pullis auf Fotos immer wunderschönst und möchte sie gerne stricken, nur ich trage eigentlich nie weiße oder so helle Kleidung, paßt irgendwie gar nicht in meine Umgebung. Deshalb habe ich schon damals den Pulli kurz nach dem Stricken in der Waschmaschine grün gefärbt. Er war mein Lieblingspulli über Jahre!
Jetzt also die Valentino-Pullis... mir kam dann ziemlich schnell eine Idee. Über die Social media hatte ich Audrey kennengelernt, die Sales Agent Germany bei -> Rooster Yarns ist, und zwar genau für die ungefärbten Garne... ich traf sie bei einem Besuch in Berlin und wir haben ausgemacht, dass wir ein Färbe-Experiment machen.
Audrey hat für mich die entsprechende Menge Garn besorgt und mir die Adresse einer Färberin gegeben, die im Umkreis meines Wohnorts wohnt. Volltreffer! Annette von -> Locoporella hat ihre Färbewerkstatt nicht nur im nächsten Ort, sie ist berufsmäßig oft direkt im Gewerbeviertel bei mir über die Straße. Wir können uns sehr einfach treffen und die ganze Sache planen.
Ich habe mich für das Merino DK Garn entschieden, hauptsächlich weil es laut Herstellerbeschreibung am einfachsten zu Färben ist, aber es war zusätzlich auch eine Designüberlegung: Ich wollte einzurückhaltendes Garn, schließlich ist die Hauptperson die Farbe, deshalb habe ich auch ein unaufgeregtes Muster gestrickt. Ganz glatt rechts wollte ich aber auch nicht stricken, das wäre ja dann doch zu langweilig!
Ich hatte vom Färben Null Ahnung, Annette mußte mir wirklich jeden Schritt erklären. Dann stand der Plan:
Wir benötigten noch ein paar Stränge 4ply Garn, das wir für die Bündchen zur Hälfte anthrazitfarbig einfärben wollten. Durch die optische Mischung bekommen wir erst das gewünschte dunkle Blau.
Unser erster Färbetag bestand also darin, erst mal schwarz zu färben.
Dann habe ich losgestrickt, Das Merinogarn strickt sich wie nichts und ist butterweich und ergibt anstrengungslos ein wunderbar gleichmäßiges Maschenbild und das Zopfmuster kommt perfekt zur Geltung. Trotzdem hat es schon einen Monat gedauert bis ich fertig war.
Gut natürlich bin ins Grübeln gekommen, ob es wirklich nötig ist zu färben... Anprobe und ja, also ich möchte ihn lieber farbig.
Wir konnten den Pulli an einem Tag färben, allerdings mit mehreren Tauchgängen. Den hellen ungefärbten Streifen mußten wir gar nicht wie bei der Shibori Technik abbinden, sondern wir tauchten den Pulli von zwei Seiten ein. Wir benötigten nur zwei Tauchfarben, Gelb und Blau, die Grünvarianten bekamen wir durch die mehrfachen Tauchgänge, die man einfach hintereinander machen kann. Ich war echt überrascht. Ich hatte mir das viel schwieriger vorgestellt, ich dachte, dass man den Pulli dazwischen vielleicht immer wieder trocknen lassen muss. Das ist gar nicht notwendig.
Bevor wir den Pulli endgültig färbten, machten wir zwei Probefärbungen: Zunächst ging es darum überhaupt die richtigen Farben herauszufinden, dafür hat Annette eine einfache Wolle schrittweise gefärbt, bis wir die Farben hatten. Danach haben wir die Mütze, die ich als Probestück gestrickt hatte, gefärbt um sicherzugehen, dass das Eintauchen so klappt wie wir das dachten. Wir hatten ja noch kein Gefühl dafür, wie sich die Merinowolle als ganzes Strickstück verhält, wenn man sie färbt... Keine Überraschung, alles war so wie wir es geplant hatten!
Gut, wir waren dann doch etwas nervös. So ein nasser schwerer Pulli kann einem ja schon mal aus der Hand glitschen und wir hatten die Färbeaktion in den Social Media angekündigt, wir wollten natürlich, dass das Ergebnis gut aussieht...
Und dann ging es los. Die erste Färbung mit Gelb war natürlich der Horror, O Gott, da gab es dann kein Zurück mehr, wir wollten unbedingt Blau drüber färben... und...
Das Rooster Garn ist wunderbar schnell in der Farbaufnahme, das ist wichtig, weil es schon einigermaßen anstrengend ist den ganzen Pulli immer wieder einzutauchen und dann möglichst ruhig und synchron zu arbeiten. Denn einerseits mussten wir aufpassen, dass der weiße Streifen nicht aus Versehen überfärbt wird, aber andererseits wollten wir gleichmäßige Farbübergänge! Es gibt deshalb auch kein Foto vom Eintauchen, weil wir mit vier Händen zu zweit arbeiten mussten.
Aber es hat sich gelohnt! Das Ergebnis ist so gelungen! Die sonnige Schulter sitzt links, der weiße ungefärbte Streifen geht waagrecht(!) über den ganzen Pulli, auch über die Ärmel und zwar vorne und hinten, die Farbübergänge sind fließend, und die Bündchen sind ganz dunkel. ...

Und der Pulli ist weich und komfortabel und jetzt einfach ein Lieblingspulli ...

Und Euch einen schönen Herbstbeginn!




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